TuS Bothfeld 04 e.V.

Der große Sportverein in Hannover

Leichtathletik - Ein Wort zum Leistungssport

An dieser Stelle findet sich in der Regel ein verhältnismäßig trockener Bericht mit
Aufzählungen von Leistungen und Erfolgen. In diesem Fall stellt es sich ein wenig anders
dar. Der TuS Bothfeld ist bekanntlich ein Breitensport Verein, was auch gut so ist und
dieser Artikel zielt gar nicht darauf ab den Breitensportler schlecht zu machen. Dennoch
heben sich einige Sportler in den einzelnen Abteilungen deutlich von der breiten Masse
ab, allen voran viele unserer Leichtathleten. Doch an welcher Stelle wird eigentlich aus
Sport treiben Leistungssport? Und was unterscheidet uns von anderen Sportlern?
Sport ist Mord, denkt sich so manch ein Sesselpupser daheim und verbringt
insbesondere die heißen Sommertage vorzugsweise mit einem kühlen Getränk im
heimischen Garten oder lässt sich die blasse Plauze am nächstgelegnem Badesee von
der Sonne verbrennen. Die Radfahrt dorthin und der Weg zum Wasser sind schließlich
Bewegung genug. Ärzte raten ja auch von körperlicher Ertüchtigung bei
hochsommerlichen Temperaturen ab.


Während bei den einen also vor dem heißen Grill der Schweiß aus sämtlichen Poren auf
die angebrannten Bratwürstchen tropft, gibt es Menschen, die es vorziehen sich ihrer
Leidenschaft, dem Sport zu widmen und ihren Schweiß auf einer staubtrockenen
Aschenbahn zu verteilen.
Die Rede ist jedoch nicht unbedingt vom Mit-Vierziger Familienvater, der froh ist ab und
an seinem trostlosen Alltag nach einem langen Tag im Büro zu entkommen und
gleichzeitig ein paar überschüssige Pfunde auf der Laufbahn hinter sich zu lassen. Die
Rede ist vielmehr von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen, die es
vorziehen sich dem allgemeinen Trend zur Faulheit und Unsportlichkeit zu widersetzen
und einen großen Teil ihrer freien Zeit auf dem Sportplatz zu verbringen.
Während es für einige schon Überwindung genug ist, zweimal die Woche ein Runde um
den Block zu joggen, bei schlechtem Wetter hilft die selten genutzte Premium
Mitgliedschaft im benachbarten Fitnessstudio, heißt es für unsere ambitionierten Athleten
beinahe jeden Tag das Alltagsoutfit mit den Sportklamotten zu tauschen. Wo manch einer
lange suchen muss, um die längst nicht mehr passende Sporthose im Kleiderschrank zu
orten, haben Leistungssportler eher einen eigenen Schrank nur für Sportklamotten und
alle Läufer mehr Laufschuhe als Mutti High Heels.
Viele sind froh, irgendwann nach einem anstrengenden Tag in der Schule, der Uni oder
auf der Arbeit endlich die Beine hoch zu legen und sich den angenehmen Dingen des
Lebens zu widmen. Sportliche Tätigkeiten richten sich zuerst nach der Freizeitplanung,
anschließend nach dem Wetterbericht und zuletzt nach dem Willen des inneren
Schweinehundes. Letzterer ist bei Leistungssportlern höchstens noch berechtigt sich
über zu kurze Pausen zwischen anstrengenden Tempoläufen zu beschweren. Ansonsten
richten sich Freizeitaktivitäten und Lernen nach dem Trainingsplan. Der Wetterbericht wird
entweder ambitioniert ignoriert oder ab und an auch mal mit Wohlwollen in Kauf
genommen. Erst herumfliegende Bäume und Hagelkörner in der Größe von Fußbällen
sind ein Grund dafür, das Training zumindest zu unterbrechen oder gar zu verlegen.
Ferien oder auch der Familienurlaub auf Mallorca sind kein Grund dafür, nicht zu
trainieren. Wo eine Wille ist, bzw. ein Trainingsplan, da ist auch ein Weg. Schließlich geht
es nicht nur darum die perfekte Strandfigur für den Sommer zu erlangen, sondern
vielmehr um Qualifikationen für Meisterschaften und teils sogar internationale
Wettbewerbe zu erzielen. Trainiert wird das ganze Jahr über, egal wo und egal wie. Die
einzige Pause des Jahres findet nach Abschluss der Saison im Herbst statt. Viele wissen
dann gar nicht, was sie mit der plötzlich gewonnenen Zeit anfangen sollen. Da kommt es
gelegen, dass nach 1-2 Wochen auch schon wieder die lange Vorbereitungszeit für die
nächste Saison beginnt.
Während dann draußen die Tage kürzer werden, die Temperaturen im Keller verschwinden
und die eh nicht lange Verweildauer der Sonne durch dunkle Regenwolken getrübt wird,
heißt es also wieder malochen für dieses eine Highlight im nächsten Sommer. Während
dann viele in der Weihnachtszeit mit Glühwein ihre Leber trainieren, verweilen
Leistungssportler in stickigen Sporthallen oder auf gefrorenen Sportplätzen um die
Muskeln auf die anstehende Saison vorzubereiten. Die Wintermonate sind hart und lang,
aber unverzichtbar für alle, die im Sommer wieder Höchstleistungen erzielen wollen.
Leistungssport - Das ist mehr als nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft. Eine Hass-
Liebe, man kann manchmal nicht mit, aber ohne ist auch keine Option. Ein Hang zum
Masochismus ist jedem Leistungssportler nachzusagen. Leistungssport ist Arbeit,
tägliche Arbeit. Leistungssport ist ein Ausbruch aus der Komfortzone, sich im Training mal
den Hintern aufreißen, der Kampf um Sekunden, Millisekunden und einzelne Zentimeter,
der eiserne Wille zum Perfektionismus und das streben nach Verbesserung.
Leistungssport ist morgens um 6 vor der Schule oder der Arbeit noch schnell eine Einheit
absolvieren, weil später keine Zeit mehr ist, das ist die Kunst, seinen kompletten Alltag
mit dem Sport zu vereinen. Leistungssport bedeutet Verletzungen und Rückschläge in
Kauf nehmen, und dennoch niemals den Kopf in den Sand stecken. Leistungssport heißt
nicht automatisch der Beste sein, aber immer sein bestes geben.
Doch all das funktioniert selten alleine. Es ist nicht zuletzt die Gemeinschaft,
insbesondere in der Individualsportart Leichtathletik, die all das möglich macht. Die auch
junge Menschen dazu bringt, all das in Kauf zu nehmen und sich am Ende für die harte
Arbeit zu belohnen. Letzteres tun wir alle, nicht nur mit Meistertiteln und Normen, sondern
auch mit persönlichen Bestleistungen, ständigen Verbesserungen und der Tatsache, dass
Leistungssportler etwas Besonderes sind, nicht nur sportlich, sondern auch mental. Sport
ist Mord, diese Aussage kommt tatsächlich nicht von ungefähr. Jeder Leistungssportler ist
im Training schonmal „gestorben“ oder hat sich nach monatelanger Arbeit verletzt und
musste die Saison abschreiben. Dennoch macht es Spaß sich dieser Passion hinzugeben
und tagtäglich an sich zu arbeiten, vorzugsweise gemeinsam mit der Trainingsgruppe. Der
Sportplatz wird dann zum zweiten Zuhause und die Trainingsgruppe zur zweiten Familie.
Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid und gleichermaßen freut man sich mit, wenn der
Trainingspartner wieder eine neue Bestleistung erzielt hat.
Leistungssport ist brutal, brutal schön. Leistungssport ist hart aber geil!
Einen entspannten Sommer wünscht
Die Leichtathletik Abteilung